CITYZOOMS Frankfurt 2009: Bericht von den Dreharbeiten

So leben wir hier im Quartier
Frankfurter Neue Presse
15.05.2009

So leben wir hier im Quartier
Im Bahnhofsviertel kennt fast jeder den stets gut gelaunten Schuhmachermeister Wolfgang Lenz – auch wegen des Hammermuseums, das auf der Galerie in seinem Laden in der Münchener Straße ist. Natürlich steht er (v. l) Hanna, Rebecca und Louisa gerne Rede und Antwort. Foto: Rainer Rüffer


Sechs Filme von je fünf Minuten Länge, in denen Stadtsplitter und Geschichten erzählt werden. Das war der Auftrag für junge Filmemacher der Fachhochschule. Kommenden Dienstag haben die Streifen Premiere.

Bahnhofsviertel. Sechs Filmteams der Fachhochschule entdeckten verschiedene Stadtteile von Frankfurt aus neuen Blickwinkeln: Sie teilten die Stadt für das Projekt «City Zooms» nach eigenen Schwerpunkten auf und filmten die Menschen in ihrem Alltag. Und merkten dabei, wie vielfältig etwa die Münchner Straße im Bahnhofsviertel doch sein kann. «Unter all den internationalen Geschäften hätten wir wirklich keine Schuhmacherei mit Tradition erwartet», erklärt Louisa Huder (19) überrascht.

Schnittstelle Moselstraße
Doch das Handwerk hat nicht nur in der Schuhmacherei Lenz goldenen Boden, sondern auch in der «Schnittstelle» im Stadtteilbüro in der Moselstraße. Dort lernten die Studenten, das Material ihrer Kameras und Camcorder am Bildschirm zu bearbeiten und zu Kurzfilmen zu arrangieren. Die Dokumentationen werden in Zusammenarbeit mit der FH und dem Galluszentrum präsentiert und ins Internet gestellt (http://www.frankfurt.cityzooms.de). Da CityZooms parallel noch in weiteren Städten veranstaltet wird, hofft der Betreuer und Fachhochschuldozent Bernhard Kayser auf einen Erfolg für Bemühungen nach mehr Medienunterricht in Ganztagsschulen.


«Bislang werden Medienprojekte in vielen Schulen eher als mögliche Freizeitprojekte angeboten. Dabei sind sie besonders geeignet, um neben technischen Handgriffen auch Teamfähigkeit und Organisation zu vermitteln», betont Kayser. Im starken Team arbeiteten auch die Fachhochschüler: Die Filmgruppen wurde von einer Dokumentationsgruppe mit der Kamera begleitet, um Stärken und Schwächen bei der Arbeit festzuhalten. Für die Koordination und Öffentlichkeitsarbeit zeichnete ein Redaktionsteam verantwortlich. Schließlich erarbeitete Silvia Dorant (32) die Fragebögen zur Evaluation. Sie könnten zur Grundlage von Eingaben bis in die Kultusministerien werden.

Lebenserfahrung machen
Zunächst aber waren auch Nachbarn und Passanten eingeladen, um die Filmteams bei ihren Streifzügen durch Frankfurts Straßen zu begleiten. Für einige der Studenten war der richtige Umgang mit Kamera und Programmen zum Schneiden keine ganz neue Erfahrung mehr. Umso mehr gab es dafür bei den Dreharbeiten vor Ort zu lernen. Etwa in der Schuhmacherei, wo der Meister und seine Gesellen gerade ein Paar Schuhe nach alter Handwerkskunst fertigten. «Abgesehen von ein bisschen Werbung für uns ist es für die jungen Leute wichtig, praktische Lebenserfahrungen zu machen», freute sich Lenz.


Derweil erkundeten Anna Koch (22) und Jens Böckmann (25) den Main zu Fuß und auf dem Schiff. Und stellten fest, dass sich ein niederländischer Kapitän und ein türkischer Dönerwirt an und auf dem Fluss besonders zu Hause fühlen. «Für den einen ist der Main eine wichtige Verkehrsader. Der andere lebt von den Spaziergängern, die sich dort erholen» erklärt Anna. Ein weiteres Filmteam drehte in der Bürostadt Niederrad und erlebte ein ganz anderes Frankfurt mit Geisterstraßen und leer stehenden Firmenhäusern. Ein Stadtteilquartier in der Wirtschaftskrise, das mit mehr Wohn- und Grünflächen umgestaltet werden soll. Nichts ist und bleibt eben so, wie es ist.

Für Transparenz sorgen
«Wichtig sind diese differenzierten Erfahrungen, mit der Kamera die Dinge anders zu sehen», betont Kayser. Nuriye Özer (26) vom Redaktionsteam nennt noch eine weitere Erfahrung. «Wir haben uns nach dem Grundstudium für den Schwerpunkt Medienpädagogik entschieden und wollen unsere Arbeit für die Öffentlichkeit transparent machen.» Da sie eben so wie andere Studenten mit Jugendlichen arbeiten will, sei es wichtig, den besonderen Wert der neuen Medien und ihrer Anwendung in der Jugendarbeit zu vermitteln. got


Filmpremiere für die Kurzdokumentationen ist am Dienstag, 19. Mai um 20 Uhr in der Naxoshalle.
Vom bis
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