Pädagogen, Wissenschaftler und Filmemacher fordern:

Pressemeldung 7. September 2010

Medienpädagogen in die Schulen und
Schülerfilme ins Fernsehen

In einem eindringlichen Appell an die Ministerien für Kultus und Kultur der Bundesländer und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten fordern 220 Vertreter von bundesdeutschen Medienzentren, Lehrer, Schüler, Filmemacher und Vertreter von Nachwuchsfilmfestivals mehr Einsatz für die praktische Filmbildung in Deutschland.
Zum Abschluss des dreitägigen Kongresses film>>up in Hannover (2. bis 4.9.2010) zum Thema praktische Filmbildung und Nachwuchsförderung formulierten die teilnehmenden Wissenschaftler und Akteure von Jugendfilmprojekten bildungspolitische Forderungen, um die Film- und Medienkompetenz in Deutschland voranzubringen. Die Fachleute sind sich dabei einig: ohne Film wird die Schule nicht mehr auskommen!
"Film ist ein wichtiger Bestandteil von kultureller Bildung und findet im bisherigen Schulsystem kaum Platz", so der Vorsitzende des Deutschen Kulturrates Prof. Dr. Max Fuchs in seinem Impulsreferat. Obwohl die kulturelle Bildung und nachweislich die praktische Filmarbeit Schlüsselqualifikationen wie Kreativität, Sozialkompetenz und selbstständiges Handeln trainiert, die für eine zukunftsfähige Gesellschaft unverzichtbar sind, wird diese in Deutschland nicht kontinuierlich und ausreichend gefördert. "Nur mit Modellprojekten kann man keine Medienbildung aufbauen", so Prof. Dr. Norbert Neuss (Vorsitzender der GMK, Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur) beim Kongress.
Bei der Präsentation und Diskussion der zahlreichen deutschen und internationalen Projekte, konnte festgehalten werden, dass Tausende von Kindern und Jugendlichen in eigene Medien- und Filmarbeiten investieren und damit den Begriff ‚Medienkompetenz’ mit Begeisterung und Kreativität füllen. Solche Produktionen sind einmalige Produkte, die erst dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie auch öffentlich zugänglich sind. Neben der Einführung von gültigen Standards für Schüler- und Jugendfilmfestivals fordern die Teilnehmer des Kongresses die Einführung von regionalen und bundesweiten Sendeplätzen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, damit die öffentliche Wahrnehmung gewährleistet ist. "Schülerfilme sind originell, innovativ und haben eine gesellschaftliche Relevanz. Dies muss auch außerhalb von Festivals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", erklärt Burkhard Inhülsen vom Nachwuchsfilmfestival up-and-coming.
In der Schule muss die Vermittlung von Medienkompetenz ernster genommen werden. Grundlagen der Mediengesellschaft und ihrer Hintergründe müssen Bestandteil des Unterrichtes werden. Filmpraktische Übungen müssen von qualifizierten Medienpädagogen gewährleistet werden. Dies bedarf sowohl bei Lehrern als auch bei Medienpädagogen eine grundständige Aus- und Weiterbildung, die in dieser Form in Deutschland nicht vorhanden ist. "Fachlich müssen hierzu die frei arbeitenden Medienzentren in Deutschland hinzugezogen werden", fordert Dr. Klaus Blaudzun vom Institut für Neue Medien, Rostock.
Die gesammelten Forderungen werden im Verlauf des Septembers veröffentlicht und an die Ministerien für Kultus und Kultur, Filmförderungen und Landesmedienanstalten überreicht.
Kongressveranstalter war das Bundesweite Schülerfilm- und Videozentrum e.V./up-and-coming Internationales Film Festival Hannover. Gefördert wurde die Tagung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).


PM_filmup_Kongress_070910.pdf